This article appeared in the German edition of KUM Magazin #3 and is only available in German.
Der Beginn meiner Arbeit als Künstlerin hat kein konkretes Datum, und ich nehme an, dass es vielen anderen Menschen ähnlich geht. Wir tun, was wir lieben, und können nicht sagen, wann wir damit angefangen haben. Aber wir verändern uns definitiv im Laufe der Jahre, entwickeln unsere Fähigkeiten, probieren neue Dinge aus und passen unseren Kompass immer wieder an. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, immer wieder das Gleiche zu malen, ohne mich auf neue Techniken oder Themen einzulassen. Die Welt um uns herum ist so groß und voll von wunderbaren Dingen! Ich möchte sie alle entdecken, ich möchte lernen und weiter forschen. Der Weg, den ich dafür wähle, ist die Kunst.
Malen und Skizzieren war schon immer ein Teil meines Lebens, aber als meine Freundin Franzi und ich Ende 2020 „wildwasserfarben“ gründeten, wurde es auch zu meinem Beruf: Jetzt musste die Kunst unseren Kühlschrank füllen. Und viele wissen, dass das nicht immer einfach ist. Wir illustrierten Postkarten, Plakate und im Laufe der Jahre immer mehr Produkte, um sie in unserem kleinen Online-Shop oder in lokalen Geschäften zu verkaufen. Unser Unternehmen wuchs, die Arbeitsbelastung auch, und es gab eine Zeit, in der meine Gedanken nur noch um den Verkauf kreisten. So sehr ich es auch liebe, meine Kunst in den Wohnzimmern anderer Leute zu sehen, hatte ich doch ein Gefühl in mir, das mir sagte, dass das nicht genug ist.
Dies war der Zeitpunkt, an dem sich zwei Autoren an mich wandten und fragten, ob ich einige Illustrationen für ihr Buch „Ein Leben für den Ozean“ beisteuern wolle. Ich war schon immer ein großer Fan von Meereslebewesen, insbesondere von Haien, und sagte zu diesem neuen Projekt zu. Im folgenden Jahr las ich unzählige Bücher über den Ozean, schaute alle Dokumentarfilme, die ich finden konnte, und malte, malte, malte. Ich verliebte mich völlig in Wellen, stürmische Himmel und die Schuppenstrukturen auf Fischen. Das Buch erzählt zehn Geschichten von Menschen, die sich rund um die Ostsee, Nordsee und den Nordatlantik für den Meeresschutz engagieren.



Mit Kunst können wir die Gefühle der Menschen berühren. Einerseits können wir Geschichten erzählen, auch die harte Wahrheit; wir können Menschen aufrütteln oder sogar schockieren. Andererseits können wir die Schönheit und Faszination zeigen und sie in etwas Zugängliches verwandeln. Wenn wir diese Werkzeuge mit Bildung kombinieren, können wir echten ARTivismus betreiben. Das Eintauchen in ein Thema, das uns wichtig ist, lässt uns eine Verbindung, z. B. mit der Natur, spüren, die uns kein Social-Media-Account geben kann.
Wusstest du, dass 50–70 % unseres Sauerstoffs von winzigem Phytoplankton im Ozean produziert werden? Mindestens jeder zweite Atemzug, den wir nehmen, kommt aus dem Meer.
Als Künstler können wir all diese Informationen in Bildern ausdrücken, die von vielen Menschen auf der ganzen Welt über die Grenzen der Sprache hinweg verstanden werden können. Wir können Emotionen wecken, und wenn wir es richtig machen, entsteht daraus Empathie. In meinem Fall möchte ich meine Leidenschaft für den Ozean in meine Kunst einflechten. Und zwar nicht nur, um sie zu verkaufen und meine Rechnungen zu bezahlen, sondern auch, um euch alle zu erreichen, euch zu inspirieren und euch mitzunehmen auf meine Reise zum Schutz des Ozeans und jedes kleinen Lebewesens, das darin lebt.
Ich denke, sobald wir eine Art von Reichweite entwickeln, insbesondere in den sozialen Medien, wird unsere Stimme lauter. Die Menschen schenken uns ihr Vertrauen, ihr Geld oder ihre Aufmerksamkeit, und wir müssen das zu schätzen wissen. Wir müssen uns aber auch unserer eigenen Verantwortung bewusst sein. Ich möchte jeden ermutigen, auf diese Stimme in seinem Inneren zu hören: Was ist dir wichtig? Wo siehst du Ungerechtigkeit oder Fehlinformationen? Lasst dies in eure Kunst einfließen, lasst eure Pinsel und Stifte dies ausdrücken und macht diese Welt zu einem besseren Ort. Die Kunst hatte schon immer diese Kraft und wird sie auch weiterhin haben.
Nachgefragt

Wer bist du und was machst du im Leben?
Mein Name ist Maria Herzog und ich bin seit 13 Jahren als freiberufliche Fotografin und Illustratorin tätig. Ich mache immer das, was ich liebe und wofür ich eine Leidenschaft habe, und irgendwie wird daraus immer ein richtiger Job. Ich lebe in der Nähe der Ostsee in einem alten Haus direkt am Wald, sodass ich viel Inspiration aus der Natur um mich herum habe.
Wie bist du zur Aquarellmalerei gekommen?
Nachdem ich in der Schule viele Techniken ausprobiert hatte, hatte ich eine lange und intensive Acrylphase. Aber um 2016 herum habe ich angefangen, mehr und mehr mit Aquarell zu malen, und meine Faszination für Pigmente ist immer größer geworden. Meine Kollegin und Freundin Franzi hat ungefähr zur gleichen Zeit angefangen, und wir haben erst gemeinsam gelernt, besser zu werden, bevor wir mit „wildwasserfarben“ angefangen haben. Aber manchmal fühle ich mich immer noch wie eine Anfängerin und lerne viel.
Drei Tipps für den Beginn mit der Aquarellmalerei
- Beobachte andere, wie sie es machen. Dein eigener Stil wird sich mit der Zeit entwickeln, doch du brauchst dich nicht zu schämen, wenn du anfangs andere kopierst, um zu lernen, wie es geht.
- Kunst muss nicht perfekt sein. Bitte habe kein Ergebnis im Kopf, wenn du anfängst. Es geht nur um Übung, Spaß und Leidenschaft.
- Zeige deine Ergebnisse. Verstecke deine Entwicklung nicht und sei stolz auf jede Kleinigkeit, die du lernst!
Welches Medium würdest du gern noch ausprobieren?
Ich habe noch nicht viel mit Öl herumgespielt und würde das wirklich gerne mal ausprobieren. Ich kann mir sogar vorstellen, es mit Aquarellfarben zu kombinieren und etwas Cooles auf Leinwand zu malen.
Welches sind deine liebsten Accounts auf Instagram?
volaneart für ihre Einstellung und ihren Humor, britchida für ihre Perspektive auf das Künstlerdasein, hedendermeere für all die Geschichten über den Ozean, 30x40 wegen ihrer erstaunlichen Kunst und ihrer liebenswerten Persönlichkeit, noraimlau und inkehummel für ihre Impulse und Gedanken zum Familienleben.







