Zum Inhalt springen
← Magazin

Interview · KUM Magazin #2 · April 2023

Sue Rahel: Vom Gedanken zum Bild

Kinderbücher, kleine Figuren und eine Farbpalette, die vorher steht: Sue Rahel über ihren Stil und wie ein Bild bei ihr entsteht.

@suerahel ↗Profil von Sue Rahel

Aquarell eines Mädchens auf einem Baumstumpf zwischen Pilzen und fallendem Laub
Porträt von Sue Rahel

Für welche Art von Kunst schlägt dein Herz?

Ich liebe Vielfalt in der Kunst! Von klassischer Kunst wie dem Impressionismus, der mich in meiner Kindheit stark geprägt hat, bis hin zu technischen Zeichnungen. Ich liebe es, wenn Kunst einzigartig und bedeutungsvoll ist. Es beeindruckt mich, wenn mich etwas außerhalb meiner eigenen Denkmuster überrascht und meine Perspektive erweitert. Eine besondere Liebe habe ich für Kinderbücher. Es ist etwas Fantastisches, in die Farben, Formen und Linien eines Buches einzutauchen und Abenteuer zu erleben. Deshalb ist das vielleicht die Kunst, die meinem Herzen am nächsten ist.

Worin siehst du deinen Wiedererkennungswert?

Im Moment sind es meine kleinen, niedlichen Figuren, die ein bisschen aus dem Alltag erzählen, sich manchmal aber auch in surrealen Welten tummeln. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich meine Kunst beschreiben würde, weil ich sie immer als etwas wahrnehme, das sich ständig weiterentwickelt. Von außen erkennt man meinen Stil vielleicht, aber für mich ist es ein Prozess des Wachsens und Entdeckens. Ich fühle mich gedrängt, neue Dinge auszuprobieren, die eine starke Wirkung auf mich haben, aber erst mit der Zeit werden die Veränderungen auch von außen sichtbar.

Wie ein Bild entsteht

Auf dem Weg zu einem Bild steht meist ein Gedanke, ein Gefühl, eine Erinnerung oder eine Geschichte. Der wichtigste Schritt, noch vor dem ersten Strich, ist, diesen Moment gedanklich einzufangen und festzuhalten. Es geht weniger darum, eine perfekte Technik zu erreichen oder Fehler zu vermeiden, sondern viel mehr darum, etwas auszudrücken. Und weil jeder Mensch einzigartig ist und die Welt mit eigenen Augen sieht, wird auch das Ergebnis genauso einzigartig, wenn du dich darauf einlässt.

Es gibt aber praktische Schritte, die mir dabei helfen. Ich baue eine Skizze Schritt für Schritt auf und zeichne zuerst leicht die groben Formen, die ich im Kopf habe. Im zweiten Schritt verfeinere ich sie zu weicheren, fließenderen Formen und passe an, was noch nicht zu meiner Vorstellung passt. Zum Schluss skizziere ich Details.

Skizze des Mädchens auf dem BaumstumpfGetestete Farbtöne

Die Farbpalette stelle ich meistens separat zusammen. Ich teste Farbtöne und Farbkombinationen, damit das Bild stimmig wird. Wer lieber ein ruhiges, harmonisches Bild malen möchte, beschränkt sich am besten auf wenige Hauptfarben und nutzt verschiedene Intensitätsstufen davon. Mehr Farben zu verwenden ist aber auch nicht falsch. In der Kunst gibt es kein Richtig oder Falsch.

Dann trage ich die Farbe Schicht für Schicht auf. Zuerst etwas heller, damit ich Fehler noch korrigieren kann. Dann werde ich immer dunkler. Dabei berücksichtige ich immer Licht- und Schattenseiten. Zum Schluss setze ich die Details mit einem feinen Pinsel und deckenden Farben.

Erste FarbschichtZwischenstand mit mehr SchichtenDetails mit feinem PinselDetailansicht des fertigen Bildes
Illustration von Sue RahelIllustration von Sue RahelIllustration von Sue RahelIllustration von Sue Rahel